Nach unserer Indienreise
Selbst 4 Tage nach der Rückkehr habe ich das Gefühl, immer noch nach Indien und den dort verspeisten würzigen Gerichten zu riechen. Wir haben in 10 verschiedenen Hotels oder alten Palästen übernachtet. Ungefähr 2000 km Busfahrt und noch ein Flug von 800 km im Land von Udaipur nach Mumbai waren zu bewältigen. Dabei sieht man aber auch das wirkliche Leben, das oft auf und neben der Straße stattfindet. Wir haben viele zufriedene Inder gesehen. Sie sind überwiegend ein fröhliches und mit ihrem Leben zufriedenes Volk. Viele Kinder und Erwachsene haben uns zugewinkt oder sich gefreut uns mal die Hand zu geben. Gern haben sie sich von uns oder mit uns fotografieren lassen und jedes Lächeln von uns wurde freudig erwidert. Unser Reiseleiter Hemant Sukhwal hat uns sein Land sehr nahe gebracht und war die ganze Zeit auch bemüht, uns von gefährlichen Speisen oder Getränken fern zu halten. „Essen Sie sich Im Hotel satt, Wasserflaschen verkauft der Busbeifahrer Bijut, unterwegs kaufe ich für Sie Bananen und Mandarinen, die Sie selbst schälen können.“ Kurz vor dem Ankommen gab es jeden Abend im Bus eine Runde Rum oder Whisky vom Reiseleiter für Alle. Ein schöner Brauch und sooo gesund, wie sich gezeigt hat. Unser indischer Mercedes-Lizenz-Bus war sehr komfortabel, hatte aber kein Bord-WC. Es hat Tage gedauert, bis wir uns mit Hermant über regelmäßige Pinkelpausen einig waren. Die Toiletten unterwegs entsprachen unseren Erwartungen, waren nur in ganz kleinen Orten manchmal unzumutbar unsauber. In den Hotels gab es nichts zu meckern, wir hatten aber durchgehend einen guten Standard gebucht, wie wir gemerkt haben. Woran man sich gar nicht gewöhnen kann ist die grenzenlose Armut überall. So gibt es zwar öffentliche Schulen für alle und jede Menge Privatschulen für die besser gestellte Bevölkerung, doch keine Schulpflicht. So verlassen wohl besonders viele Bauernkinder bald die Schulen und helfen ihren Eltern. In den staatlichen kostenlosen Schulen sitzen die Kinder fröhlich auf dem Fußboden und schreiben im Schneidersitz. Hier sind schon die niedrigen Schreibpulte Luxus. Möbel wie wir sie kennen, sind in den Hütten der Dörfer und Slums in Mumbai überhaupt nicht bekannt. Das Leben findet bodennah statt. Nächste Erkenntnis: Die Wüste Thar ist staubig und trocken, dennoch sehr besiedelt, wo es einen Brunnen gibt. Die Überlandstraßen waren oft sehr gut ausgebaut, bis auf die Stücke, die plötzlich mal fehlen. Wenn die Brücke noch im Bau ist rumpelt der Bus durch das ausgetrocknete Flussbett auf die andere Seite. Das ist normal. Genauso wie die freilaufenden Kühe, Ziegen und Kamele auf den Straßen. Was uns neu war: Kuhscheise ist wertvoll und getrocknet ein guter Brennstoff! Wird bei uns auf die Felder geschüttet, hier könnten wir noch was lernen! Müssen uns wieder auf unsere Verkehrsregeln einstellen! In den indischen Städten fliest der Verkehr: Autos, Mopeds, Tuk-Tuk und querende Fußgänger teilen sich den Verkehrsraum mit den heiligen Tieren. Statt der Bremse haben alle Fahrzeuge eine Hupe, die sagt, hier komm ich. Überholt wird auf der Seite wo gerade Platz ist und die meisten Fahrzeuge fahren auf der linken Fahrbahnseite. Verkehrsampeln sind eher Deko am Fahrbahnrand. Erst in Mumbai gab es auch mal Anhalten bei Rot. Nur wer entschlossen die Fahrbahn betritt und gleichmäßig überquert kommt rüber. Anfangs am besten mit „Augen zu“ riet uns Hemant. Hier könnte ich noch viele Lebensfelder beschreiben, es ist alles irgendwie anders. Wir haben oft versucht mit Hemant über die sozialen Fragen, das Kastenwesen und die Bettler zu sprechen. Das ist ganz schwer, da für die Inder vieles so selbstverständlich ist, dass gar nicht unseren Normen entspricht. Von Hemant haben wir auch nichts über den Terroranschlag am 14.2. in Kaschmir erfahren. Er wollte uns sicher nicht beunruhigen. Der Konflikt mit dem moslemischen Pakisten besteht seit der Unanhängigkeit und Abspaltung Pakistans von Indien. Ja und um Kaschmir im Norden streiten auch noch die Chinesen mit. Plötzlich haben wir ein ganz anderes Ohr für die täglichen Nachrichten aus diesen Teil der Erde. Danke allen treuen Lesern, es hat mir Spass gemacht jeden Tag zu schreiben und das Erlebnis mit euch zu teilen.